Zurzeit lässt sich in naturnahen Gärten und an Waldrändern ein magisches Schauspiel beobachten: Glühwürmchen sind unterwegs auf Partnersuche. Zwei der vier in der Schweiz heimischen Glühwürmchenarten kommen auch in unserer Region vor: das Grosse und das Kleine Glühwürmchen.
Warme Sommerabende, wenig künstliches Licht und naturnahe Lebensräume bieten die besten Voraussetzungen, um das Leuchten der Glühwürmchen zu beobachten. Trotz ihres Namens sind Glühwürmchen keine Würmer, sondern Käfer und gehören zur Familie der Leuchtkäfer. Mit ihrem Leuchten locken sie potenzielle Partner an. Das Licht wird in speziellen Leuchtorganen am Körperende durch eine chemische Reaktion erzeugt. Diese faszinierende Fähigkeit, selbst Licht zu produzieren, nennt man Biolumineszenz.
Dabei unterscheiden sich die Arten in ihrem Balzverhalten. Beim weit verbreiteten Grossen Glühwürmchen (Lampyris noctiluca) leuchten die flugunfähigen Weibchen vom Boden aus und senden ein dauerhaftes Lichtsignal aus. Die Männchen selbst leuchten nicht. Stattdessen fliegen sie umher und suchen mit ihren grossen Augen nach den leuchtenden Weibchen. Beim Kleinen Glühwürmchen (Lamprohiza splendidula) leuchten beide Geschlechter. Während die ebenfalls flugunfähigen Weibchen sitzend auf einen Partner warten, senden die Männchen im Flug ein pulsierendes grünliches Licht aus. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, erlischt das Leuchten und die Paarung findet statt. Nach der Paarung legt das Weibchen etwa 60 bis 80 Eier unter Steinen, zwischen Gräsern oder unter Holzstücken ab. Bereits die Eier können schwach leuchten. Nach rund einem Monat schlüpfen die Larven.
Leibspeise: Schnecken
Wie viele andere Insekten, verbringen auch Glühwürmchen den grössten Teil ihres Lebens als Larven. Über zwei bis drei Jahre entwickeln sie sich am Boden und ernähren sich vor allem von Schnecken. Dabei gehen sie erstaunlich geschickt vor: Wie kleine Räuber pirschen sie sich an ihre oft deutlich grössere Beute heran und überwältigen sie mit einem Giftbiss. Anschliessend wird die Beute langsam verzehrt. Ein spezielles Organ am Hinterende hilft den Larven dabei, sich nach der schleimigen Mahlzeit zu reinigen. Gleichzeitig verfügen sie über Abwehrstoffe, die sie für viele Fressfeinde ungeniessbar machen. Ihr schwaches Leuchten dient dabei als Warnsignal.
Nach zwei bis drei Überwinterungen verpuppen sich die Larven. Bereits nach rund einer Woche schlüpfen die erwachsenen Käfer. Als sogenannte Imagines nehmen sie keine Nahrung mehr zu sich und konzentrieren sich ausschliesslich auf die Fortpflanzung. Nach etwa drei Wochen ist ihre Energiereserve aufgebraucht und sie sterben. Da ihre Hauptaktivitätszeit um den Johannistag am 24. Juni liegt, werden Glühwürmchen auch «Johanniskäfer» genannt. Besonders gut beobachten lassen sie sich von etwa 22 Uhr bis Mitternacht.
Paarung Kl. Glühwürmchen. Foto: Urs Weibel. Angriff Larve des Gr. Glühwürmchens. Foto: Daniel Keller
Glühwürmchen fördern
Schrumpfende Lebensräume und die zunehmende Lichtverschmutzung setzen den leuchtenden Käfern zu. Künstliches Licht erschwert die Partnersuche und kann dazu führen, dass sich Männchen und Weibchen nicht mehr finden. Wer Glühwürmchen im eigenen Garten fördern möchte, sollte deshalb möglichst naturnahe Strukturen erhalten. Längeres Gras, Laubhaufen, alte Äste oder Totholz bieten den Larven wertvolle Versteckmöglichkeiten. Auch Schnecken sind willkommen, denn sie bilden die wichtigste Nahrungsquelle der Larven. Nicht zuletzt sind Glühwürmchen deshalb auch nützliche Helfer im Garten.
Falls Sie bereits Glühwürmchen entdeckt haben, melden Sie Ihre Beobachtung unter hier und helfen Sie mit, diese faszinierenden Leuchtkäfer besser zu erforschen.
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